Aktueller Focus: Unsere Ebola-Medikamentenentwicklung

Angesichts der verheerenden Ausbreitung von Ebola in Westafrika im zurückliegenden Jahr, in deren Folge laut Angaben der WHO 11 297 Menschen starben und sich 28 421 infizierten, muss der Entwicklung wirksamer Medikamente neben der Impfstoffentwicklung höchste Priorität zukommen.

Noch im Februar 2015 meldete die WHO einen leichten Wiederanstieg von Neuinfektionen, erst im Oktober 2015 schließlich teilte die Weltgesundheitsorganisation mit, dass erstmals seit Ausbruch der Epidemie keine neuen Ebola-Infektionen in Westafrika mehr registriert wurden. Dennoch sind größte Anstrengungen im Kampf gegen Ebola dringend geboten, ein wieder Aufflackern der tödlichen Infektion ist nicht gänzlich auszuschließen und der soeben überwundene Ausbruch von Ebola wird leider nicht der letzte sein!

Die Bedrohung durch Ebola war und ist nicht auf Westafrika beschränkt, wo sich in der Folge eine humanitäre Katastrophe abspielt, die noch längst nicht überstanden ist, diese Bedrohung ist global! Mutationen des Erregers könnten zu einer Verschärfung der Situation in der Bekämpfung dieser gefährlichen Infektion führen und in einer globalen Welt lässt sich die Ausbreitung von Infektionen über Länder und Kontinente hinweg kaum verhindern.

Bisher konnte leider noch kein systematischer Ansatz zur Suche hochwirksamer neuer antiviraler Substanzen gegen Ebola-Infektionen erfolgreich durchgeführt und wissenschaftlich fundiert abgeschlossen werden, lediglich partielle Erfolge werden berichtet, die eine Art Hoffnungsschimmer darstellen. Grund hierfür liegt insbesondere in dem extrem zeitaufwändigen Verfahren der üblichen Medikamentenentwicklung, die über mehr als ein Jahrzehnt dauern kann. Im konkreten Fall von Ebola ist jedoch höchste Eile geboten.

Mit der erfolgreichen Anwendung der RNA-Interferenz-Technologie konnte am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie (MPI) mit großem Erfolg eine Entwicklungsschiene etabliert werden, die eine Resistenzbildung ausschließt und mit der die Medikamentenentwicklung stark verkürzt wird: Unter der Vielzahl im Markt bereits erhältlicher, zum Teil sogar klinisch getesteter chemischer Substanzen befinden sich nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch solche, die bereits hohe Wirksamkeit gegen Ebola-Viren aufweisen. Allerdings ist die Identifizierung solcher antiviralen Substanzen nicht ganz einfach, da solche Substanzen ursprünglich aus völlig anderen Gründen entwickelt wurden. Die Stiftung Focus Biomed hat sich nun zum Ziel gesetzt, aufbauend auf einem innovativen und bewiesenermaßen sehr erfolgreichen Ansatz, ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für ein wirksames Ebola-Medikament im Rahmen „wirtsgerichteter Therapie“ zu fördern. Die wissenschaftlichen Arbeiten haben im Frühjahr 2015 begonnen.

Leiter des Ebola-Medikamentenprojekts ist Professor Dr. Thomas F. Meyer, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Seine langjährigen Erfahrungen und Erfolge, gemeinsam mit seinem Team unter der Federführung von Dr. Alexander Karlas auf dem Gebiet der RNA-Interferenz-Technologie und inzwischen auch CRISPR , stellen die Basis für das erfolgversprechende Ebola-Projekt dar.

Für das wissenschaftliche Beratungsgremium der Ebola-Medikamentenentwicklung konnten international bekannte Ebola-Experten gewonnen werden. Professor Dr. Heinz Feldmann, Leiter des Laboratory of Virology, National Institutes of Health in den USA, wird ebenso wie Professor Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Marburg, seine langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiet von Ebola in das Beratungsgremium einbringen (mehr über das wissenschaftliche Beratungsgremium des Ebola-Projekts hier).

Ein Kongress zum Thema RNA-Interferenz-Technologie und wirtsgerichtete Infektionstherapeutika zur Bekämpfung von Ebola, Influenza etc. wird im November 2015 unter Leitung Professor Dr. Thomas F. Meyers am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin stattfinden. Ein wesentlicher Schwerpunkt wird auch die Ebola-Medikamentenentwicklung sein.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Deutschland mit ihrem Präsidenten Professor Dr. Jörg Hacker wird diesen Kongress mit unterstützen (mehr über den Kongress: Host-directed therapy – New ways to curing infections hier).